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Leserbrief zum Thema Denkmalschutz

 

Denkmalschutz und Schlossscheuer

 

Zum geplanten Umzug der Stadtverwaltung ins Bischofsschloss und zu den Umbauplänen für das Bischofsschloss:

 

Energische Befürworter des Abrisses der alten Schlossscheuer bis auf die historischen Grundmauern zur Schaffung eines modernen Rathauses für Markdorf behaupten permanent, dass die Schlossscheuer nicht unter Denkmalschutz stünde. Dem ist nicht so. Ein Blick in das Denkmalbuch hilft hier weiter. Dort ist zu entnehmen: ,,Die Schlossanlage Markdorf (Gebäude Schlossweg 2, 4, 6, 8 mit zugehörigen Freiflächen) ist als Sachgesamtheit Schloss Markdorf als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung im Denkmalbuch eingetragen (§12 DSchG)“. Und auf dem zugehörigen Lageplan ist die Schlossscheuer als Gebäude 6 und 8 eingetragen. So weit so gut. Weiterhin ist ein Blick in § 15(1),2 des Denkmalschutzgesetzes nützlich. Dort steht: ,,Ein eingetragenes Kulturdenkmal darf nur mit Genehmigung der Denkmalschutzbehörde in seinem Erscheinungsbild oder seiner Substanz verändert werden.” In diesem Zusammenhang spricht man beim Bischofsschloss von Ensembleschutz.  

 

Diese Sachlage führt bei vielen Mitbürgern und Mitbürgerinnen, denen Denkmalschutz und der Erhalt der alten Stadtsubstanz Markdorfs am Herzen liegt zu ernsten Zweifeln, ob die geplanten Abriss- und Wiederaufbaumaßnahmen bei der Schlossscheuer sinnvoll sind und die Zustimmung der Denkmalschutzbehörden finden werden Deshalb nun einige Bemerkungen zu der bekannten Entwurfszeichnung ,,Neubau im historischen Ensemble mit Schlosshof und Gebäuden sowie dem zugehörigen Erläuterungstext zum ,,neu interpretierenden Wiederaufbau der Schlossscheuer. Mit der Formulierung ,,Das Denkmal geschützte Ensemble beginnt sogar der Erläuterungstext der planenden Architekten' Schützenswert ist - wie erwähnt - die Sachgesamtheit der Gebäude, somit bei der Schlossscheuer das Erscheinungsbild (Gebäudefront, Bedachung) und die Gesamtkubatur (Gestalt/Form), aber auch der Schlosshof. Bei kritischer  Betrachtung der geplanten Abriss- und Wiederaufbau Aktivitäten werden sich für die Denkmalschutz Behörden wichtige entscheidungsnotwendige Fragen ergeben. Einige seien hier in Beispielen kurz angeführt:  In der Entwurfszeichnung fallen zuerst die oben offenen quadratischen (Beton-)Elemente im Hof auf. Diese Teile gab es bisher nicht, sie sind neuartig und passen nicht in das Ensemble, sollen wohl den sogenannten "Bürgergarten“ darstellen. Es ist relativ sicher, dass für deren feste Installation auf der Hoffläche keine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde zu erhalten sein wird.

 

Die vorgeschlagene neue Form der Schlossscheuer-Fenster zum Hof als eine Front voller Rechtecke statt der vorhandenen Fenster mit den Rundbögen oben ändert das gewohnte Erscheinungsbild des Gebäudes. Fraglich scheint auch hier eine Zustimmung, insbesondere weil im rechten Teil des Gebäudes die Konfiguration des alten - oben mit Rundbogen versehenen - Scheunentors erhalten bleiben soll. Die Verwendung von Dämmbeton beim Neuaufbau der Außenmauern soll die historischen Mauern mit ,,Charakter und Erdung“ ergänzen. Dämmbeton ist ein Baustoff mit feiner und poröser Oberfläche, der für den Feuchtigkeitsschutz oft einer Oberflächenbehandlung bedarf. Dieser neuartige Baustoff ist jedoch bei keinem der anderen Teile des bestehenden Schloss-Ensembles zu finden. Auch am Dach sind Änderungen geplant. Einmal sind die Dachgauben nicht mehr vorgesehen, auch die Höhe des neuen Satteldachs ist laut Erläuterungstext reduziert, wobei die Technik der Dachkonstruktion (Holz oder Beton) nicht beschrieben ist. Die reduzierte Dachhöhe soll im Süden des Innenhofes eine ,,optimierte Besonnung“ ergeben. Die neue Dachdeckung ist mit Faserzementschindeln statt der altbewährten Tonschindeln (naturroter Biberschwanz) vorgesehen. Dies wird ohne Frage einen total anderen Eindruck im Vergleich zur Dachlandschaft der restlichen Gebäude erzeugen. Auch die geplante Verwendung von Glasschindeln zur Belichtung des Bürgersaals im Obergeschoss wird keineswegs die propagierte ,,ruhige Dachlandschaft“ hervorbringen.

 

Bei all dem oben Erwähnten ist wichtig zu wissen, dass nach § 7 (5), 2 DSchG die untere Denkmalschutzbehörde, das heißt das Bauamt in Markdorf nicht in eigener Sache über den Abriss oder bauliche Veränderungen an der Schlossscheuer entscheiden kann, sondern dies der zuständigen Stelle im Landratsamt oder beim Regierungspräsidium in Tübingen) überlassen muss.

 

Gerald Wassum, Markdorf

 

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