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Ehrlich nachgerechnet....

Zum geplanten Umzug des Rathauses ins Bischofsschloss und dem Kommentar „Zeit der Ehrlichkeit“ im Südkurier vom 15. Juni:

Die Ausgangslage ist klar. Markdorf braucht ein modernes Rathaus, das exklusive Hotel Bischofschloss ist Geschichte, das Schloss-Ensemble gehört jetzt komplett der Stadt und der voreilige Kauf des Gebäudeanteils zum Preis von 3,85 Millionen Euro lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

 

Der Umbau des Bischofsschlosses zum Rathaus wird mit 18,4 Millionen Euro veranschlagt. Addiert man hierzu zehn Prozent Risikoaufschlag / Baupreiserhöhungen, könnten daraus auch 20 Millionen Euro werden. Für das Grundstück des jetzigen Rathausareals könnte man nach Abzug der Abrisskosten bis zu zwei Millionen Euro erlösen, bliebe ein Nettoaufwand für diese Variante 1 in Höhe von 18 Millionen Euro. Zu diesem Preis erhält man dann ein gewaltiges Verwaltungsgebäude, um das wir zwar nach Wunsch der CDU-Fraktion beneidet werden sollen, das aber leider nicht 100-prozentig barrierefrei ist und auch in anderer Hinsicht eine suboptimale Lösung darstellt. Auf dem alten, anschließend verwaisten Rathausareal sehen wir dagegen nichts außer einem fetten Fragezeichen.

 

Basierend auf vorhandenen früheren Planungen ließe sich für annähernd die gleiche Summe ein Rathausneubau am alten Platze realisieren (15 Millionen Euro) und gleichzeitig das Bischofsschloss nach den Erkenntnissen der Leistungsphase 3 grundsanieren (3,5 Millionen Euro). In dieser Variante 2 erhält die Stadt für 18,5 Millionen Euro nicht ein, sondern zwei repräsentative Gebäude, die zusammen mit Kirche und Mittlerer Kaplanei Eckpfeiler bilden, an denen sich die zukünftige Entwicklung der Altstadt orientieren kann.

 

Im Hinblick auf die letztendliche Nutzung des Bischofsschlosses muss man in dieser Variante nichts überstürzen. Das Gebäude wäre gegen Verfall gesichert und ein kurzzeitiger Leerstand tut niemandem weh. In aller Ruhe kann man sich auf die intelligente Suche nach einer (kommunalen) Nutzung, einem Betreiber oder Investor begeben. Ich bin mir mit vielen Mitbürgern einig, dass das Gebäudeensemble auch ohne immense Umbaukosten und Belastung der Umgebung einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden kann, aber dafür müssten einige der Entscheider über ihren Schatten springen.

 

Jeder weitere Aufwand, der zur finalen Nutzung des Bischofsschlosses notwendig ist, und hier muss ich der Argumentation des Herrn Grupp widersprechen, stellt einen wirtschaftlichen Mehrwert dar und darf nicht zu den Rathauskosten hinzugezählt werden, sondern muss aus Wertschöpfungssicht in gleicher Weise behandelt werden wie eine mögliche Nachnutzung des Rathausareals.

 

Am günstigsten für die Stadt, und das gehört auch zur Ehrlichkeit, käme eine Variante 3, nämlich ein modularer phasenweiser Neubau des Rathauses am alten Platz und ein Verkauf des denkmalgeschützten (!) Schloss-Ensembles, vorzugsweise auf Erbbaurechtsbasis.

 

 

Heiner Sondermann, Markdorf

 

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