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Bürger mutig um Zustimmung fragen

Dass das Bischofsschloss für Markdorf ein „wertvolles Kulturgut“ ist, dem stimmen viele Mitbürgerinnen und Mitbürger zu. Jedoch nicht dem, was mit einem Teil des denkmalgeschützten Ensembles - nämlich mit der Schlossscheuer - mit einer Art baulichem Gewaltakt durch Abriss bis auf die historischen Grundmauern und einem „Wiederaufbau“ für eine Rathausnutzung bei stark veränderter Fassade und Dachgestalt geplant ist. Dieser Wiederaufbau mit massiven Betonwänden und Betondach soll die Schlossscheuer „denkmalpflegerisch auf den Stand der Zeit“ bringen! Man wundert sich schon, was für ein eigentümliches Verständnis von Denkmalschutz in Markdorf herrscht und wie mit Worthülsen die Bevölkerung  begeistert werden soll. Und da steht in dem erwähnten Leserbrief: „Welch schöne Möglichkeit, es zu erhalten…“

 

Zur alternativen Nutzung des gesamten Ensembles - ohne Abbrucharbeiten bei der Schlossscheuer sondern mit deren Renovierung und Modernisierung im Innern ohne Veränderung des denkmalgeschützten Äußeren - gibt es seit einiger Zeit für alle Teile des Schlosses Vorschläge, die man aber bei den Baubeflissenen nicht hören bzw. bedenken will: neben dem Wiederaufleben der Hotelnutzung, auch als Bürgerhaus für vielfältige kommunale Verwendungen, wie z. B. Stadtmuseum, Stadtgalerie, Fremdenverkehrsbüro, Büros Stadtmarketing, Räume für Gemeinderatsfraktionen, Agenda-Gruppen, Vereine; Musikschule und gar einen kleinen Festsaal. Diese Nutzungen für kommunale Zwecke haben dazu noch den Vorteil der langfristigen Ersparnis von Miet- und Zuschussgeldern.

 

Zum Neubau und der Renovierung des Rathauses am alten Platz könnte man - wenn man dies ernsthaft wollte - zum Beispiel die Planungen des Büros Lieb + Lieb wieder aufgreifen und modular in Phasen das Projekt angehen, wobei erst ein moderner Neubauteil im Süden erstellt werden könnte, in den die Mitarbeiter und Büros ohne Auslagerung einziehen werden, während im Norden die Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten am alten Gebäude anlaufen.

 

Gemeinderat und Bürgermeister sind zwar demokratisch gewählt, aber sie erhielten damit keine Blankovollmachten für Baumaßnahmen mit Kosten auf einer nach oben offenen Skala, wie so oft beim öffentlichen Bauen. Deshalb sind sie gut beraten, wenn sie bei gewissen Vorhaben, so auch beim „Rathaus im Bischofsschloss“, die Bürgerschaft mutig um Zustimmung fragen würden.

 

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