· 

Alternativlosigkeit ist die versäumte Suche nach Alternativen

Die Initiative Bischofschloss wird von den Befürwortern des Umzuges u.a. mit dem Argument angegriffen, die BI würde den Verfall des Schlossensembles billigend in Kauf nehmen. Leider haben dies etliche Markdorfer bereits verinnerlicht.

 

Viele Bürger, die gegen die Pläne der Stadt sind, befinden sich daher zurzeit noch in einer Art resignierten "Duldungs-Erstarrung".

 

Man könne ja ohnehin nichts gegen den politischen Willen ausrichten. Das Hotel sei ja nun zerstört und ohnehin nichts mehr zu retten. Die Ausgaben würden sicher alles sprengen, aber man könne sich ja nicht dagegen wehren. Unsere Gesellschaft sei nun einmal so gestrickt, dass Widerstand meistens keinen Erfolg habe. Das Schloss könnte ja verfallen, wenn man das überteuerte Rathaus nicht hineinstopfen würde, etc....

 

Hier zeigt sich wieder einmal die Politik der ALTERNATIVLOSIGKEIT:

 

Man erklärt den Bürgern, dass es keine Alternativen gibt - in Metaphern gesprochen: es gibt nur den 'Highway to Hell'. Die Treppe ins Paradies sei viel zu beschwerlich.

 

Heutzutage braucht es wahrlich eine AUTOBAHN zur Hölle, denn dort ist das Verkehrsaufkommen gewaltig. Wir sind auf allen unguten Ebenen nach vorne gesprintet, ohne über die Folgen nachzudenken und haben die besseren Alternativen auf allen Ebenen gerne unter den Teppich gekehrt, weil uns suggeriert wurde, es gäbe keine andere Lösung.

 

Das ist in der großen Politik nicht anders, wie in der kleinen kommunalen Ebene. Uns wurde die Atomkraft, die Pestizidpolitik, die Massentierquälerei, der massenhafte Fleischkonsum, das Urwaldroden, die Plastikmüll-Orgie, als ALTERNATIVLOS verkauft, ebenso wie das Bäumefällen in Überlingen und die Schließung des ‘Hotels im Bischofschloss‘. Auf dem Highway zur Hölle gibt es alle erdenklichen Varianten - aber NIEMALS Überlegungen zu Alternativen.

 

Wir sind überall nach vorne gesprintet und haben dabei unsere Vernunft, unser Verantwortungsbewusstsein, unsere Ethik und unser Mitgefühl zurückgelassen, wie einen vergessenen, ausgesetzten Hund am Autobahnrastplatz.

 

Daher ist JEDE Bürgerinitiative zu begrüßen, die auf dem ‘Highway to Hell‘ Ausfahrten einbaut und alternative Wege aufzeigt.

 

In Markdorf haben sehr wenige Leute über die Verwendung von sehr vielen Steuergeldern entschieden. Das ist die Politik der Vergangenheit, die auf allen Höllen-Autobahnen der Welt die Menschheit auf immer neue Abgründe zurasen lässt.

 

Wir brauchen daher solche Initiativen! Wir brauchen eine andere Politik. Wir brauchen hingegen keine ruppigen, spöttischen „Alternativlosen“ sondern, bedachte, engagierte, wohlwollende Menschen, die sich einer Umkehrung der Abwärts-Spiralen auf diesem Planeten anschließen und nicht der Karawane der ewig alten Fehler nachlaufen.

 

Daher finde ich auch die nun gegründete Gegeninitiative ‘Unser Rathaus im Bischofsschloss' mehr als überflüssig. Wir brauchen KEINE ewige Wiederholung der vorgeblichen Alternativlosigkeit sondern Kreativität, Umdenken, Beteiligung der Bürger, Freundschaftliche Verhandlungen, runde Tische, ein gemeinsames Entwickeln verbessernder Zustände.

 

Wir wissen längst - jedes Verhalten ergibt einen Dominoeffekt!

 

Rohheit führt zu mehr Verrohung. Empathie führt zu mehr Mitgefühl, Freundschaft zu mehr Freundschaften. Hass zu mehr Hass.

 

Je mehr sich einer der beiden Richtungen anschließen, desto effektiver wird sich die "Verkehrsrichtung" zum Positiven ändern - oder zum Schlechteren beschleunigen.

 

Bleibt zu hoffen, dass die Stadt keine weitere Zeit mit „Alternativlos-Kampagnen“ verschwendet, sondern sich ganz rasch mit der BI an einen runden „Tisch der Alternativen“ setzt. Es gibt schließlich hunderte gelungene Vorbilder, wie man historische Gebäude erfolgreich belebt und zu einem vielseitigen (!) neuen Leben erweckt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Beck, Dieter (Donnerstag, 22 November 2018 13:26)

    Zwar bin ich schon seit 68 Jahren nicht mehr Bürger von Markdorf, trotzdem pflege ich enge Verbindungen und Freundschaften zu dieser Stadt. Meine Erinnerungen reichen zurück auf die Zeit als bei Fliegeralarmen die Markdorfer im alten Schlosskeller außerhalb von Markdorf Zuflucht suchten.
    Für mich ist es aber sehr traurig, wie sich der Stadtkern negativ verändert hat. Die Stadtverwaltung hat es in all den Jahren nicht verstanden den historischen Stadtkern so zu fördern, dass es für Besucher und die Bürger selbst ein Anziehungspunkt ist. Wenn ich an die Gebäude der Ulrichstraße denke, die auf der urspünglichen Stadtmauer aufgebaut wurden, an die Häuser der Markt-straße und auch der Obertorstraße, so ist es schade, dass deren äußeres Erscheinungsbild nicht so hervorgehoben wurde, wie es z.B. beim Haus Ulrichstraße 1 erfolgt ist.
    Es gibt so viele schöne historische Städte und Städtchen, die ihre her-kömmliche Substanz so gefördert haben, dass sie entgegen den Städten mit ihrer Hektik zu einem ruhigen und trotzdem zu einem lebendigen Aufenthalt einladen. Dadurch sind in solchen Gemeinden der Einzelhandel, die Gastronomie, die Hotelerie und die Vermieter zufrieden und bringen dadurch auch der Stadt entsprechend mehr Steuereinnahmen.
    Doch nun noch zum Umzug des Rathauses in das Bischoffschloß. Dasselbe kenn ich aus der Zeit als noch Familien im Turm wohnten und die Modell- und Segelflieger in den Räumlichkeiten vom Schloß ihr Zuhause hatten. Es wurde ja dann mit viel Aufwand zu einem besonders interessanten Hotel umgebaut und nun soll alles wieder herausgerissen werden, damit dort die Stadtver-waltung einziehen kann. Das ganze mit einem finanziellen Aufwand, der bestimmt, wie bei allen derartigen Bauvorhaben, die Planungskosten wohl ver-doppeln wird, wenn nicht gar noch mehr.
    Sicherlich habe ich hierzu kein Wahlrecht, doch ich hänge immer noch an Markdorf und will mich auf diese Weise gegen das Vorhaben stemmen.