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Ein Rathaus im Jahre 2025

Digitalisierung bedeutet nicht nur die Bereitstellung eines Internetzugangs mittels W-LAN im Rathaus, sondern auch die daraus resultierende Anpassung der Verwaltungsprozesse hat erheblichen Einfluss auf die zukünftige Arbeit / Organisation einer Gemeindeverwaltung. Dazu ist auch eine Infrastruktur (Gebäude, Vernetzung, IT-Ausstattung) erforderlich, welche die künftigen Verwaltungsabläufe unter dem Aspekt der Digitalisierung optimal abbilden wird – für Bürger und Mitarbeiter. Das Bischofsschloss ist dazu definitiv nicht geeignet.
Die Digitalisierung ist schon im Gange. Als Beispiel soll hier die digitale Archivierung des Grundbuchs erwähnt werden. Weitere Prozesse, bei denen heute beispielsweise noch Papierformulare zum Einsatz kommen, werden durch digitale Abläufe ersetzt. Damit werden Verwaltungsprozesse automatisiert und schneller erledigt. Die Bürger können unabhängig von Zeit und Ort mit der Verwaltung via PC, Tablet oder Smartphone kommunizieren um ihre Anliegen zu erledigen. Das digitale Rathaus hat jeden Tag, rund um die Uhr, geöffnet. Daraus resultierend wird sich die Anzahl der Besucher drastisch reduzieren.
Das Argument der Umzugsbefürworter, ein bürgernahes Rathaus im Bischofsschloss, führt sich daher aufgrund der nicht mehr aufzuhaltenden Digitalisierung der Verwaltungsprozesse ad absurdum. Auch die Arbeitswelt der Mitarbeiter wird sich durch die laufende Entwicklung dramatisch verändern und erfordert für die Mitarbeiter ein Gebäude, das sich räumlich und technisch flexibel gestaltbar auf diese Anforderungen einstellt. Homeoffice ist in der freien Wirtschaft bereits weit verbreitet. Warum soll das in der Verwaltung nicht auch möglich sein bzw. von den Mitarbeitern eingefordert werden? Dies führt auch zu einem geringeren Bedarf an Bürofläche. Nicht jeder Mitarbeiter benötigt zwingend einen Arbeitsplatz vor Ort. Nebenbei wird dadurch noch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert.
Wie wichtig sich das Thema Digitalisierung von Verwaltungsprozessen auch speziell auf Rathausverwaltungen auswirkt ist zwischenzeitlich auch in der Politik angekommen. Das Innenministerium Baden-Württembergs hat hierzu extra das Projekt „Kommunale Digitallotsen“ gestartet. Details können auf der Webseite des Ministeriums unter der Rubrik Digitalisierung nachgelesen werden. Originalzitat dort: „Den Gang aufs Amt werden wir abschaffen – das macht den Kontakt mit Behörden lebenswerter und stressfreier“.
Der Umzug des Rathauses ins Bischofsschloss ist rückwärtsgewandt. Er lässt den technischen Fortschritt hinsichtlich der Digitalisierung, der auch vor der Rathausverwaltung nicht halt machen wird, außer Acht. Man investiert in eine Verwaltungsorganisation, die in der heutigen Form in fünf Jahren nicht mehr existieren kann und wird. Bei einem Neubau können jedoch die Anforderungen an die zukünftige Rathausorganisation in vollem Umfang optimal umgesetzt werden.
Otto Figel, Markdorf

Lesenswert in diesem Zusammenhang auch ein Artikel im Handelsblatt, wonach Deutschland bei diesem Thema im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn unterdurchschnittlich und auf Platz 21 zu finden ist.

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