SITUATION

Die Stadt Markdorf hat im Juli 2016 das Bischofsschloss von der Eigentümerfamilie Weber zu einem Kaufpreis von 3,85 Mio € erworben. Der Erwerb durch die Stadt erfolgte mit dem klaren Ziel die Verwaltung in die Schlossgebäude umziehen zu lassen, eine Fortsetzung des Pachtverhältnisses unter den neuen Besitzverhältnissen wurde sowohl von der Stadt Markdorf als auch vom Hotelier Reutemann ausgeschlossen.

Das Hotel im Bischofsschloss hat seinen Betrieb zum 21.10.2017 geschlossen. Das Inventar wurde verkauft, und ein Hotelbetrieb ist ohne neue Investitionen nicht mehr möglich.

  • Das Hotel beherbergte jährlich 18.000 Gäste, davon 10.000 aus dem Ausland
  • 30.000 Besucher streiften jährlich durch die historischen Gemäuer
  • 250 Mal fand der 'schönste Tag des Lebens' im Schlosshof statt
  • 40 Mitarbeiter sorgten für das Gästewohl
  • 46 junge Menschen haben ihre Ausbildung im Hotel gemacht.

KONSEQUENZEN

Mehr als 1 Mio. € Umsatzeinbußen, das ist die gewaltige Summe, die unsere Händler, die Gaststätten und Betriebe ohne die Hotelgäste und Besucher verlieren und dies Jahr für Jahr. Diese Zahlen machen bereits deutlich, was der Stadt Markdorf und den Unternehmen vor Ort verloren geht.

  • Die Stadt Markdorf verliert ohne dieses Hotel ein Aushängeschild weit über die Grenzen hinaus.
  • Der Tourismus und der Handel vor Ort werden weiter nachhaltig geschwächt.
  • Das Bischofsschlossareal wird nach Dienstschluss der Verwaltung verwaist sein.
  • Die angestrebte Belebung der Altstadt wird ins Negative verkehrt.

Wir treffen immer noch Besucher in der Stadt, die früher Gäste im Hotel waren und ihren Unmut und ihr Unverständnis über die Schließung des Hotels kundtun.

UMBAUMASSNAHMEN

Laut Regierungspräsidium Tübingen "ist die Schlossanlage Markdorf (Gebäude Schlossweg 2, 4, 6 und 8 mit zugehörigen Freiflächen) als Sachgesamtheit Schloss Markdorf als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung im Denkmalbuch eingetragen. " Da sich das Bischofsschloss jetzt im kommunalen Besitz befindet, wird die Denkmalschutzbehörde im Landratsamt oder das Regierungspräsidium in Tübingen für die Genehmigung des eventuellen Abrisses und des sogenannten "neu interpretierenden" Wiederaufbaus zuständig sein.

Bauliche Veränderungen jeglicher Art verändern das über Jahrzehnte hinweg gewachsene Er­scheinungs­bild des Bischofsschlosses. Die Außenfassaden von Schlossturm und Neuem Schloss sollen möglichst erhalten bleiben, bis auf notwendige Änderungen zur Sicherstellung der Barrierefreiheit. Die denkmalgeschützte Schlossscheuer soll bis auf die historischen Natursteinmauern abgerissen / entkernt werden und mit neu strukturiertem Innenleben bedarfsgerecht wieder aufgebaut werden. Letzteres betrachten wir als teuren Versuch einen Teil des Schlossensembles für eine moderne Verwaltung umzugestalten und damit überhaupt in einer Ganzheit verwendbar zu machen.

Die Nutzung von Schlossturm und Neuem Schloss als Bürogebäude ist wegen der Flächeninhalte der einzelnen Räume und Raumhöhen sowie deren teilweise schützenswerten Holzstrukturen und Stuckdecken ein Irrsinn. Der wunderschöne Weinkeller wird zum Archiv, aus teuren Bädern werden Kopier- und Abstellräume. Die Laufwege zwischen der umgebauten Schlossscheuer und den Büros im Turm und Neuen Schloss sind innerhalb des Gebäudes schwierig zu realisieren und erschweren die persönliche Kommunikation & ad-hoc Besprechungen zwischen den Dienststellen.

Bei nüchterner Betrachtung sind die Räume des Bischofsschlosses nicht für eine moderne Verwaltung im digitalen Zeitalter geeignet. Eine effektive und bürgernahe Verwaltung benötigt eine platzmäßig und technisch optimierte Ausstattung. Dazu gehören helle Räume für zeitgemäße Arbeitsplätze mit flexibel anpassbarer Raumaufteilung, eine moderne IT Infrastruktur, Infoterminals, Austellungs- und Kommunikationsflächen, usw, sowie ein barrierefreier Zugang zu allen Ämtern und Dienststellen.

Gliederung und Proportionen eines (energieeffizienten und 'pflegeleichten') Verwaltungsgebäudes müssen sich an Bedürfnissen ausrichten und nicht an Zwängen die das Gebäude selbst auferlegt.

Bleibt noch zu erwähnen, dass aufgrund der Beschränkungen durch den Denkmalschutz zumindest im Schlossturm eine 100% Barrierefreiheit nicht hergestellt werden kann. Aus denselben Gründen kann ein zweiter unabhängiger Fluchtweg aus dem Schlossturm nur von außen durch eine Drehleiter der Feuerwehr realisiert werden.

KOSTEN

 Nach der am 13.6.2018 präsentierten Kostenberechnung ergibt sich folgende Gesamtrechnung:

Kaufpreis Bischofsschloss 3,85 Mio. €
Umbaukosten inkl. Erstausstattung
 18,4 Mio. €
+ 10% Risikoaufschlag & Vorhalt wg Baukostensteigerung
 1,84 Mio. €
Gesamt
24,09 Mio. €

Für die umfassende Sanierung und den Teilneubau des Rathauses am alten Standort wurden im Jahr 2015 Kosten in Höhe von 14 Mio.€ geschätzt. Die Teilrenovierung und Erweiterung des bisherigen ‘Hotels Bischofschloss‘ wurde vom damaligen Hotelbetreiber Reutemann mit ca. 6 Mio.€ veranschlagt. D.h. mit insgesamt 20 Mio.€ wäre ein modernes, größeres Rathaus und gleichzeitig ein runderneuertes Hotel mit einer größeren Anzahl von Zimmern zu realisieren gewesen.

Stattdessen soll eine höhere Summe aufgebracht werden, um die Verwaltung in einem Gebäude unterzubringen, das trotz Abriss und Wiederaufbau eines denkmalgeschützten Teils für diese Zwecke suboptimal geeignet ist, einhergehend mit dem Verlust des Hotels und einem fettem Fragezeichen für die Nachnutzung des Rathausareals.

Aus volkwirtschaftlicher Sicht ist der Bau- und Umzugsbeschluss nur schwer verständlich und erfüllt schon fast den Tatbestand eines Schildbürgerstreichs.     

 

ZEITRAUM

Die bisherigen offiziellen Daten sagen:

Ende der Planung Juni 2018
Abriss Schlossscheuer

Frühjahr 2019

Archäologie 2. Halbjahr 2019
Ausführungsplanung und Auftragsvergabe Oktober 2018 - November 2020
Baubeginn Januar 2020
Geplanter Bezug Herbst 2021
  • Die zeitliche Planung erscheint sehr ambitioniert und ist bei realistischer Betrachtung der einzelnen Projektphasen schon jetzt nicht mehr zu halten. Verzögerungen von 1 bis 2 Jahren und damit eine weitere Belastung (Lärm, Schmutz, Verkehr, Staus) der Anlieger müssen einkalkuliert werden.
  • Im Anschluss an den Umzug des Rathaus ins Bischofsschloss wird eventuell das Rathausareal neu bebaut, was noch einmal mindestens zwei Jahre Belastung für die Innenstadt zur Folge hat.

FAZIT

  • Mit hohem Kostenaufwand wird eine bestehende Gebäude / Hotelinfrastruktur vernichtet und kein nennenswerter Mehrwert zur Belebung und Flair Entwicklung der Markdorfer Altstadt geschaffen.
  • Aufgrund der über mehrere Jahre andauernden Belastung wird die Stadt weiter an Attraktivität verlieren.
  • Die ansässigen Händler, Marktleute und Gastbetriebe werden dies deutlich spüren.
  • Da über die Bauzeit viele Kunden abwandern werden, besteht ein hohes Risiko, dass dieser negative Effekt nachhaltig ist, insbesonders wenn man die Umbauzeit des Rathausareals mit einbezieht.
  • Renovierungsarbeiten an den umliegenden Gebäuden aufgrund von Schmutz und Staub sind unvermeidlich.