GESCHICHTE DES BISCHOFSSCHLOSSES

(Quelle: http://www.bischofschloss.de/)

 

Der Schlossturm wurde 1510 durch den Bischof Hugo von Hohen-Landenberg in seiner heutigen äußeren Gestalt erbaut. Dieser überaus geschäftstüchtige Mann hatte durch das Prägen von Münzen solchen Profit geschlagen, dass er "die drei Schlösser Arbon, Meersburg und Markdorf gar schier neu erbauen konnte". Bischof Hugo erstellte den Markdorfer Bau ganz von Grund auf, und die mächtigen Pfeiler aus behauenen Steinen im Keller und die darauf sich abstützenden gewaltigen Eichenbalken stammen aus jener Zeit.

Die Stadt wurde zu jener Zeit von einem Bürgermeister und Rat geleitet. Der Vertreter des Bischofs war der Amtsmann, welcher mit Zustimmungsrecht der Markdorfer eingesetzt wurde und der die Rechte des Bischofs der Stadt gegenüber vertrat. Er war gleichzeitig oberster Gerichtsvorsitzender. Daneben gab es noch den Obervogt, welcher der unmittelbare Verwalter der umfangreichen Besitztümer des Bischofs war und der auch die Zehnteinkünfte einsammelte, die in den Zehntscheunen aufbewahrt wurden.

Barocker Ausbau

Fürstbischof Johann Franz Schenk von Staufenberg (1704 - 1740) errichtete eine Großbaustelle. Der Schlossturm wurde völlig in barockem Stil umgebaut, wovon heute noch das 4. Obergeschoss in der ursprünglichen Pracht der Stuckdecken erhalten ist. Staufenberg erbaute auch das Barockschloss zwischen Schlossturm und Untertor, sowie die große Schlossscheuer (1838) wie sie bis zur Sanierung bestand und nunmehr in der äußeren Gestalt wieder erstanden ist.

Nutzung als Apotheke

Im Jahr 1845 wurde das Schloss an einen Arzt verkauft und anschließend als Wohnhaus und Apotheke genutzt. Im Jahr 1961 erwarb die Stadt das Bischofschloss zu großen Teilen.

Sanierung und Hotelgründung

Im Rahmen einer mustergültigen Sanierung wurde im Jahr 1984 das Hotelrestaurant Bischofschloss eröffnet und 1987 hat man begonnen das neue Schloss, die alte Apotheke, auszubauen, worin 20 weitere luxuriöse Hotelzimmer im Barockstil entstanden sind.

Im Jahr 2002 übernahm Bernd Reutemann den Hotelbetrieb und modernisierte die gesamte Innenausstattung. Das geschaffene Werk ist zum Schmuckstück der Gehrenbergstadt geworden.

 

Eine ausführliche Beschreibung der Sanierungsphase in den 80er Jahren finden Sie hier.

 

CHRONOLOGIE EINER STERBEHILFE

(Quelle: Südkurier)

April 2015: Bischofsschloss-Besitzer Albert Weber und Hotel Pächter Bernd Reutemann sprechen wegen einer "Eigentumsbereinigung" für das Schloss bei Bürgermeister Georg Riedmann vor. Ob die Stadt sich vorstellen könne, ihre 17 Prozent am Schloss-Eigentum an Weber zu verkaufen oder ob sich die Stadt alternativ einen Kauf des Schlosses vorstellen könne. Weber und Reutemann signalisieren, dass sie mit dem Gedanken spielen, das Hotel über das Ende des Pachtvertrages zum Oktober 2017 hinaus nicht mehr weiterbetreiben zu wollen.

Beide sagen auch, dass ein weiterer Hotelbetrieb für sie nur denkbar sei, wenn das Schloss im kompletten Besitz von Weber sei. Einen Hotelbetrieb als Pächter der Stadt könne er sich nicht vorstellen, so Reutemann. Parallel zu diesen Gesprächen hat der Architektenwettbewerb zur Sanierung und Neubau des Rathauses bereits begonnen.

Oktober 2015: Der Architektenwettbewerb für das Rathaus fällt enttäuschend aus. Der am besten bewertete Entwurf des Freudenstadter Büros Lieb + Lieb wird auf Platz zwei gesetzt, die anderen Entwürfe fallen durch.

26. Oktober 2015: Beim Bürgerinformationsabend der Stadt überrascht Riedmann mit der bislang öffentlich noch nicht bekannten Option, das Rathaus in das Bischofsschloss umzusiedeln. Die Stadt würde dafür das Schloss kaufen. Die von der Stadt beauftragte LBBW-Kommunalentwicklung (KE) hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Machbarkeitsstudie für dieses Vorhaben erarbeitet und soll nun einen Testentwurf vorlegen.

15. Dezember 2015: Der Testentwurf der KE wird im Gemeinderat vorgestellt. Eine deutliche Mehrheit von 19 Stadträten spricht sich dafür aus, dass die Stadt die Schloss-Pläne weiterverfolgt. Dagegen stimmen Uwe Achilles, Wolfgang Zimmermann (beide SPD), Markus Brutsch, Arnold Holstein (beide FW), Christiane Oswald (UWG) enthält sich. Die KE taxiert das Vorhaben auf 11,8 Mio. Euro mit +/- 25 Prozent Unscharfe, ohne den Kaufpreis.

1. Juli 2016: Die Stadt hat das Bischofsschloss für 3,85 Mio. Euro von Albert Weber erworben. Parallel dazu läuft in der zweiten Jahreshälfte der Architektenwettbewerb "Rathaus ins Bischofsschloss”.

5. Februar 2017: Die Stadt präsentiert bei einem Bürgerinformationsabend die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs. Auf Platz eins hat das Preisgericht den Entwurf des Ulmer Büros Braunger Wörtz gesetzt. (gup)

 

GEMEINDERATSBESCHLÜSSE

Die Möglichkeit der Nutzung des Bischofschlosses sei, nach Aussage des Bürgermeisters, bereits beim Versand der Unterlagen für den Architektenwettbewerb zur Sanierung und Neubau des Rathauses aufgekommen. D.h. obwohl bereits ab April 2015 die Weichen für den Umzug des Rathaus ins Bischofsschloss gestellt wurden, hat sich der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung erst ab Dezember 2015 mit diesem Thema beschäftigt.

(Unserer Meinung nach fällt mit dieser Weichenstellung ein völlig anderes Licht auf den Architektenwettbewerb. Das vielzitierte 'enttäuschende Ergebnis' erscheint im nachhinein wenig überraschend.)

Nachfolgend finden Sie die Liste der öffentlichen Gemeinderatssitzungen, in denen der Umzug des Rathauses in das Bischofsschloss auf der Tagesordnung stand:

15. Dezember 2015, Top 92: Vorstellung der Machbarkeitsprüfung "Rathausnutzung im Bischofsschloss" und Beschluss in die Kaufverhandlungen einzutreten

 

16. Dezember 2015, Top 98: Beratung und Beschlussfassung der Haushaltspläne 2016

 

18. Oktober 2016, Top 104: Nachtragshaushaltsplan Stadt 2016

 

14. Dezember 2016, Top 138: Haushaltsplan 2017

 

14. Februar 2017, Top 12: Beauftragung des Preisträgers im Architektenwettbewerb "Rathaus im Bischofsschloss“

 

3. Mai 2017: Gemeinderat stimmt der Architektenvereinbarung zu.

Für diese Gemeinderatssitzung ist leider kein Protokoll auf der Internetseite der Stadt Markdorf verfügbar, daher verweisen wir hier auf die Berichterstattung im Südkurier vom 3.5.17 und 4.5.17.

17. Oktober 2017, Top 100: Rathaus im Bischofsschloss

      a) Vorstellung des überarbeiteten Vorentwurfs

      b) Beratung und Beschlussfassung zur Vergabe der Planungsleistungen für Fachingenieure

27. Februar 2018, Top 18: Sachstandsbericht des Architekturbüros über die Voruntersuchungen zur Bausubstanz

Wir haben uns die Protokolle der öffentlichen Gemeinderatssitzungen zum Thema Bischofsschloss im Detail angeschaut und versucht die Argumente der Befürworter des Rathausumzugs herauszukristallisieren. Es war ernüchternd zu sehen, wie wenig substantielle Begründungen dabei zu Tage kamen, und auf welch schwachem Fundament die Entscheidung zum Kauf des Bischofsschlosses konstruiert wurde. Die Argumente der wenigen Gegner des Vorhabens im Gemeinderat haben uns da schon eher überzeugt. Die Skeptiker, allen voran die Stadträte Achilles und Holstein, thematisieren die wirklich wichtigen Aspekte und Anliegen. (nachzulesen in den Protokollen vom 15.12.2015 und 14.2.2017)

FAZIT

Nach unserer Einschätzung war der Gemeinderatsbeschluss zum Kauf des Bischofsschlosses, ohne gesicherte Kenntnis der Umbaukosten und damit ohne konkrete Ziele der Weiternutzung, voreilig Interessant in diesem Zusammenhang ist die Bemerkung einer Stadträtin in der Gemeinderatssitzung am 15.12.2015, dass “bei früheren kritischen Themen ebenfalls eine zu schnelle Beschlussfassung im Gemeinderat erfolgt sei.“ und lässt vermuten, dass eine gesamtheitliche Analyse / Bewertung des Vorhabens nicht oder nur unzureichend stattgefunden hat. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass von Anfang an, d.h. mit dem Erscheinen der ‘Eigentumsbereinigung‘ im April 2015, die Weichen für den Umzug des Rathauses ins Bischofsschloss gestellt wurden und danach konsequent auf diese sogenannte 'historische Chance' Bürgermeister Riedmann jedenfalls bezeichnete das Vorhaben als seine 'Herzensangelegenheit' hingearbeitet wurde. Wir haben keinen Hinweis gefunden, dass jemals intensiv nach alternativen Lösungen für die Zukunft des Bischofsschlosses gesucht, noch der Versuch unternommen wurde, sich offen mit den Argumenten der Umzugsgegner auseinanderzusetzen.