Die Sanierung des Bischofsschloss in den 80er Jahren

Quelle:

Markdorf Geschichte und Gegenwart, Herausgeber Stadt Markdorf, Kehrer Verlag KG, Freiburg, 1994, ISBN 3-923937-83-0

 

Bischofsschloß und Historische Innenstadt (ein Beitrag von Eugen Baur)

 

Beim dritten großen Sanierungsabschnitt in der Historischen Innenstadt war im Gegensatz zum Ochsenplatz die Devise eine ,,erhaltende Erneuerung" unter weitest gehender Beachtung der Belange der Denkmalpflege. Ein Bündel von Maßnahmen sollte den historischen Ortskern aufwerten, das gegenüber dem neuentwickelten Stadtkern Ochsenplatz" entstandene Gefälle abbauen, das traditionelle Wohnen in der Innenstadt attraktiver machen und schließlich eine wirtschaftliche Belebung herbeiführen unter der eindeutigen Dominante der Restaurierung und damit der Denkmalpflege von Bischofsschloß und Schloßscheuer.

 

Die Notwendigkeit hierfür bestand schon seit Jahrzehnten, spätestens nach dem Auszug der letzten Bewohner aus dem Schloßturm im Jahre 1964/65. Als eigentlicher Beginn der Schloßsanierung kann der 20. September 1977 bezeichnet werden, nämlich der Zeitpunkt, an dem die Stadt den restlichen Eigentumsanteil am Schloß erworben hat. Es hat sich gezeigt, daß die Stadt ein sinnvolles Sanierungs- und Nutzungskonzept erst dann entwickeln kann, wenn sie Alleineigentümerin der gesamten Schloßanlage ist und nicht nur das Teileigentum von 2/3 besitzt, wie dies 1961 beim Kauf entstanden ist. Hinzu kam der Erwerb des Kinogebäudes 1979. Der genaue Verwendungszweck stand zwar seinerzeit noch nicht fest, aber klar erkennbar war damals schon, daß dieses Gebäude in Architektur und Städtebau nicht erhaltenswert ist, im Gegenteil keine adäquate Umgebung für ein restauriertes Bischofsschloß darstellen würde. Bemerkenswert ist, daß diese beiden ,,Weichenstellungen" für die Innenstadtsanierung unternommen werden mußten, während die Ochsenplatzsanierung noch in vollem Gange war und dort sowohl planerisch als auch finanziell höchste Präsenz erforderlich war.

 

Nach der offiziellen Inbetriebnahme des „Ochsenplatzes" im Frühjahr 1981 war es dann möglich, den Schwerpunkt der Stadtsanierung offiziell auf die Innenstadtsanierung zu verlagern und dafür auch die kommunalpolitischen Voraussetzungen zu schaffen.

 

Ein erster Sanierungsanlauf im Jahre 1979/80 konnte nicht realisiert werden, weil seitens des Staates die ursprünglich in Aussicht gestellten Zuschüsse nicht gewährt wurden. Erst mit dem Sanierungsvertrag 1982 zwischen der Stadt Markdorf und einer Investorengruppe wurde für dieses schwierige Sanierungsobjekt auf der Basis eines  „Bauherrenmodells“ ein tragbares Finanzierungskonzept gefunden. Dieses „Bauherrenmodell" sah vor, daß der gesamte Komplex restauriert und im Wege des Teileigentums in Form des Erbbaurechts an private Investoren abgegeben bzw. von diesen Investoren durch die „Bauherrengemeinschaft" abgewickelt und finanziert wird.

 

Seit dem Erwerb des restlichen Eigentumsanteils durch die Stadt im Jahre 1977 wurden immer wieder Nutzungsvorschläge für das Bischofsschloß mit der Schloßscheuer entwickelt. Aus verständlichen Gründen zielten diese Vorschläge darauf ab, eine möglichst breite öffentliche, sprich städtische Nutzung in diesem Haus zu ermöglichen. Man mußte jedoch dabei bald erkennen, daß dies bei einem Gesamtinstandsetzungsaufwand von nahezu 10 Mio. DM für beide Objekte (Turm und Scheuer) einfach nicht finanzierbar war und darüber hinaus die Stadt anschließend mit dem gesamten Unterhaltungsaufwand hoffnungslos überfordert wäre. So ist schließlich das Nutzungskonzept entstanden,  das sich heute nach der abgeschlossenen Sanierung präsentiert und insgesamt als optimal bezeichnet werden kann. Die Stadt ist Eigentümerin der Gesamtanlage geblieben und hat nur den überbauten Bereich von Schloßturm und Schloßscheuer im Wege des Erbbaurechts an die Nutzungsberechtigten abgegeben. Sie ist darüber hinaus Eigentümerin des Rittersaales und hat ihn in dieser Form zum ersten Mal ausgebaut. Er zeugt von der historischen Stätte dieses Hauses und strahlt als „gute Stube" der Stadt eine festliche aber dennoch heimelige Atmosphäre aus. In diesem Raum werden inzwischen festliche Veranstaltungen der Stadt sowie kleinere Konzerte und Empfänge abgehalten. Das Restaurant (in der Schloßscheuer) und der Weinkeller (im Schloßturm) waren feste Bestandteile des Sanierungskonzeptes, tragen zur Bereicherung des Angebotes der örtlichen Gastronomie bei und gewährleisten ebenfalls eine allgemeine Zugänglichkeit. Die übrigen Flächen sind als Wohnappartements im Wege des Teileigentums durch die Bauherrengemeinschaft hergestellt worden.

 

Aufgrund des Interesses des Betreibers des Restaurants ist jedoch keine Einzelvermietung erfolgt, sondern eine globale Verpachtung an den Restaurantbesitzer, der dann wiederum gediegene Hotelzimmer eingerichtet hat und nunmehr den Gesamtkomplex als Hotel/Restaurant betreibt.

 

Eine beachtliche und äußerst gelungene Erweiterung des Gesamtkomplexes „Bischofsschloß" ist 1987/88 erfolgt durch die private Sanierung des „Neuen Schlosses" unter Einbeziehung in den Hotelkomplex, so daß Schloßturm und Schloßscheuer und der Langhausanbau (Neues Schloß) als einheitliches Schloßensemble dem Betrachter und dem Benutzer des Hotelkomplexes zur Verfügung stehen.

 

Ein wesentlicher Bestandteil des Sanierungskonzeptes war die Forderung der Stadt auf konkreten Nachweis der erforderlichen Kfz-Stellplätze. Bei den ersten Planungsüberlegungen wurde hierfür der Kinobereich ins Auge gefaßt. Es hat sich aber schnell herausgestellt, daß dies städtebaulich und funktionell eine schlechte Lösung wäre. Die einzige noch verbliebene Alternative konnte deshalb nur in Form einer Tiefgarage im Schloßberg liegen, also im unmittelbar vor dem Schloß gelegenen und ebenfalls im Eigentum der Stadt stehenden südlichen Grundstücksteil, mit der Möglichkeit der Herstellung des alten Zustandes nach entsprechender Eingrünung. Dies war die beste, aber auch die teuerste Lösung des Parkproblems. Die Stadt mußte auch unter dem Aspekt der Verkehrsberuhigung in der Innenstadt darauf bestehen, daß die ganze Verkehrserschließung für den Sanierungskomplex Bischofsschloß außerhalb der historischen Innenstadt erfolgt.

 

Aufgrund der günstigen topographischen Lage hat es sich angeboten, diese Tiefgarage gleichzeitig als öffentlichen Schutzraum auszubauen, was ohne Kostenbeteiligung der Stadt allein durch die Zuwendung des Bundes möglich war.

 

Die Sanierung des Bischofsschlosses mit Schloßscheuer als Wahrzeichen der Stadt war zweifelsohne die Hauptaufgabe der Innenstadtsanierung. Sie wäre aber isoliert, wenn nicht andere flankierende Maßnahmen hinzugekommen wären. Hier stand in erster Linie der Ausbau von Marktstraße und Ulrichstraße an. Mit der Verlegung der Kanalisation in der Ulrichstraße und der Erneuerung von Versorgungsleitungen in der Marktstraße war eine völlige Neugestaltung der beiden Straßen verbunden, ein niveaugleicher Ausbau mit Porphyr-Pflastersteinen, eine neue Straßenbeleuchtung, eine neue ,,Möblierung" mit Blumenkübeln und Ruhebänken und die Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone, die alsbald in eine reine Fußgängerzone umgestaltet wurde. Die gleiche Pflasterung wurde parallel zur Marktstraße zwischen Schloßhof und Rathaus, an der ,,Kleinen  Steige" und am Hexenturm vorbei durchgeführt. Damit ist eine wesentliche Aufwertung der bisherigen Hinterhofatmosphäre in diesem Bereich verbunden. 

 

Diese Absicht bestand auch durch die Neubebauung Kleine Steige', die anstelle des alten Kinos entstand und städtebauliche wie wirtschaftliche Funktionen in idealer Weise vereinigt. Die ,Kleine Steige" besteht aus vier repräsentativen Ladengeschäften im Erdgeschoß und 18 Wohnungen im Obergeschoß wovon die Stadt im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus 10 erworben hat. Schließlich wurde die „Alte Kaplanei" instandgesetzt, das Fachwerk freigelegt und der Innenbereich im Erdgeschoß modernisiert. Der Hexenturm wurde in dankenswerter und vorbildlicher Weise vom Denkmalförderverein innen instandgesetzt in der Absicht, dort ein Heimatmuseum für den Bereich des früheren Handwerks in unserer Stadt einzurichten.

 

Die Außeninstandsetzung hat die Stadt im Rahmen der Stadtsanierung übernommen, so daß dieser Turm vor dem Verfall gerettet und der Nachwelt erhalten werden kann. Durch die genannten öffentlichen und privaten Sanierungsmaßnahmen sind in einem Zeitraum von rund 10 Jahren insgesamt etwa 40 Mio. DM investiert worden, eine fast gigantische Summe, die wohl in dieser Größenordnung und insbesondere innerhalb eines so knappen Zeitraumes nie zuvor in Markdorf investiert worden ist.